Reiselogbuch: Drei Tage Hauptstadt

Bereits am Vortag haben wir uns die Bustickets für den Shuttlebus von Puli im Zentrum Taiwans nach Taipei (im Norden) besorgt. Am Mittwochmorgen ging es um 10 Uhr los. Das Reisen mit dem Bus auf Taiwan ist sehr bequem. Die Busse sind immer klimatisiert (leider auch im Winter, wenn es selbst auf der subtropischen Insel ziemlich kühl werden kann) und die Sitze sind meist großzügig dimensioniert und lassen sich zurückkippen, da Taiwanesen Busreisen gerne für ein kleines Nickerchen nutzen. So haben auch diesmal die meisten Mitfahrer die komplette Fahrt durchgepennt.

Zwei Studenten aus Tübingen planlos in Taipei

Nach drei Stunden sind wir auch schon in Taipei am Busbahnhof angekommen und begaben uns sofort in den Untergrund um der höllischen Mittagshitze zu entkommen. Hier findet man nicht nur die modernste U-Bahn der Welt, sondern eine ganze unterirdische Einkaufslandschaft, welche aus vielen Restaurants, Läden (zu unserem Erstaunen fanden wir ein deutsches Reformhaus mit original Produkten aus Deutschland) und sogar aus mehreren Shopping-Centern besteht. Wenn man wollte, könnte man in dieser Stadt die Oberfläche komplett meiden. Aber dazu gibt es einfach zu viel Spanendes zu entdecken.

Hostel Zimmer in Taipei

Unser kleines schönes Zimmer im Hostel in Taipei

Kurz nach zwei haben wir im Hostel (Cheeky House – sehr empfehlenswert!) eingecheckt. Wir wurden von der Hostel-Besitzerin empfangen und aufgefordert die Straßenschuhe gegen Hausschuhe zu tauschen, das ist hier auf der Insel so üblich. Dann wurden wir zu unserem Zimmer geführt. Etwas klein, aber sehr sympathisch eingerichtet. Natürlich darf auch hier die Klimaanlage nicht fehlen. Das Bett ist etwas kurz geraten, war aber sehr bequem, bis auf die Tatsache, dass die Matratze unter dem Lacken noch in Folie eingeschweißt war. Das raschelte etwas unangenehm und sorgte für zwei schwitzige Nächte. Taiwaner scheinen alles so lange wie es nur geht in Verpackung behalten zu wollen, so sieht man nicht selten Fernseher und andere Gerätschaften welche zwar schon sichtlich benutzt werden, aber dennoch die Schutzfolie und Aufkleber tragen. Die Toiletten wurden mit den anderen Gästen geteilt und waren zum Teil Kombinationen aus Dusche und Toilette mit einem Duschkopf, welcher am Waschbeckenhahn festgemacht wurde. So wurde beim Duschen die gesamte Toilette nass. Außerdem begrüßte mich schon beim ersten Klobesuch eine kleine Schabe, welche sich aber schnell in einer Wandritze verkroch. Das ist für ein tropisches Land auch nichts ungewöhnliches.

Taipei 101

Taipei 101

Da wir uns vor der Anreise keinerlei Gedanken dazu gemacht hatten was wir in der Stadt erleben wollten, blieb uns nicht viel anderes Übrig als zu improvisieren. Als unser erstes Ausflugsziel entschieden wir uns also logischerweise für das Wahrzeichen der Stadt, das Taipei 101, das derzeit zweithöchste Gebäude der Welt nach Dubais gigantösem Burj Khalifa. Bereits der Weg zum 101 führt an breiten Straßen und schicken Hochhäusern des Handelsbezirks der Stadt vorbei. Jetzt wurde uns auch klar, warum Puli, die 80.000-Seelen-Stadt in der wir Studieren, von den Studenten oft als „Dorf“ bezeichnet wird. In den unteren sechs Stockwerken des 101 befinden sich zahlreiche Edelläden solcher Marken wie Gucci, Prade, Burbery, Boss und vieler mehr. Vom sechsten Stock aus gelangt man per Highspeed-Fahrstuhl in den 89. Stock. Davor muss man sich für umgerechnet etwa 11€ ein Ticket kaufen und in eine Schlange vor dem Aufzug anstellen. Zufälligerweise stand vor uns ein junges deutsches Backpacker-Pärchen an, mit denen wir den restlichen Abend das Gebäude erkundet haben. Deutsche findet man eben überall auf der Welt. Die Aussicht vom 89. Stock war atemberaubend. Da wir um etwa 17:30 Uhr oben angekommen sind, konnten wir sie sowohl bei Licht wie auch bei Dunkelheit genießen. Mit einem Audioguide bewaffnet gingen wir die Stationen des Besucherbereichs ab und hörten uns die Geschichte des Gebäudes sowie die Erläuterungen zu den zu sehenden Stadtteilen in den verschiedenen Himmelsrichtungen an. Natürlich gab es auch den riesigen, goldgefärbten Dämpfer zu sehen, welcher das Gebäude bei Winden und Erdbeben stabilisiert. Dieser wurde auch zu einem für Asien typischen ultra-niedlichen Kitsch-Maskottchen mit Quietschstimme verwurschtelt – dem „Damper-Baby“. Auch auf die Außenplattform, welche nur bei gutem Wetter geöffnet hat, durften wir raufsteigen. Hier war es allerdings extrem windig und der Ausblick wurde von großen Metallstäben blockiert. Auf dem Weg nach unten wollte Jana unbedingt die Treppe nehmen und hat einen Mitarbeiter gefragt, wo sie das Treppenhaus finden kann. Dieser war wohl auf so eine Frage nicht gefasst, sah ziemlich perplex aus und erklärte im gebrochenen Englisch, dass der Treppenweg nicht begehbar sei und außerdem bräuchte man fast 15 Minuten bis man zu Fuß unten angelangt ist. Also haben wir uns alle doch brav vor dem Aufzug angestellt. Insgesamt hat sich der Besuch des 101 sehr gelohnt und kann nur weiterempfohlen werden.

Ximending Kreuzung

Kreuzung in Ximending

Gegen 8 Uhr Abend waren wir endlich wieder unten und begaben uns zum Ximen, dem berühmten Einkaufsviertel von Taipei. Zwei querverlaufende Straßen in einer reinen Fußgängerzone sind hier hell erleuchtet und wimmeln von Tausenden von Leuten. Da wir nichts zu Mittag gegessen hatten, gingen wir zuerst in ein Sushi-Restaurant, den Sushi-Express. Hier kann man sich den Bauch mit rohem Fisch, Reis und anderen Leckereien vollschlagen. Dabei zahlt man pro Teller umgerechnet ca. 80 Cent. Sehr lecker und super günstig! Wir bummelten noch durch die Stadt bis wir von den grellen Lichtern, den vielen Leuten und den lauten Straßen genug hatten und uns zurück zum Hostel begaben. Taipei ist sehr schön aber auch sehr anstrengend. Der nächste Tag konnte kommen!

Präsidentenpalast

Präsidentenpalast

Am nächsten Morgen haben wir uns entschieden ganz westlich bei McDonalds zu frühstücken. Wenn man ständig asiatisch essen darf, kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden. Danach machten wir uns gestärkt auf die Stadt bei Tageslicht zu erkunden. Wir fuhren zunächst mit der Metro zum Ximen und liefen von dort am Präsidentenpalast vorbei . Wir liefen halb um den Palast herum, der sehr streng bewacht wird und als wir kurz stehen blieben um ein Foto von der Front zu machen, wies uns direkt ein weiterer Sicherheitsbeamter an nicht stehen zu bleiben und auch keine Fotos zu machen. Wir wunderten uns und dachten an den Bundestag in Berlin und wie viele Touristen täglich davor stehen und Fotos machen… Aber so rebellisch wie wir Europäer nun mal sind haben wir doch noch ein Foto geschossen. Und zwar von einer Straße weiter weg.

Glocke im Park

Eine große Eisen-Glocke im Park

„Spirited Away“ in Jiufen

Auf der anderen Straßenseite kamen wir in einen großen, sehr schön angelegten Park mit Wasserspielen, einem Spielplatz und einigen Pavillons. Am anderen Ende steht das National Taiwan Museum, das wir besuchen wollten. Wir dachten dabei an den großen Schatz, den die geflohene Regierung der Kuomintang damals nach dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 (zwischen Nationalchinesen und Kommunisten) mit nach Taiwan brachte. Leider liegt der allerdings im Nationalen Palastmuseum, das im nördlichen Teil der Stadt steht. Im National Taiwan Museum fanden wir eine Ausstellung zur Kleidung der Chinesinnen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, eine Fotoausstellung zur Isla Formosa (so wurde Taiwan von den Portugiesen genannt, übersetzt bedeutet das schöne Insel) und im 3. Stock eine Ausstellung für Kinder über die Ernährung in Taiwan und wie das mit der wachsenden Bevölkerung zusammenhängt. Für 10 NTD war das ein sehr netter Besuch, allerdings waren wir nach einer guten Stunde auch schon wieder draußen.

Keelung

Keelung

Wir überlegten, was wir nun mit dem Tag noch anfangen wollten, da wir ursprünglich damit gerechnet hatten, locker einen halben Tag in dem Museum, das wir für das Palastmuseum gehalten hatten, verbringen würden. Wir entschieden uns spontan nach Keelung zu fahren und von dort weiter nach Jiufen. Keelung ist eine Hafenstadt nordöstlich von Taipei, mit dem Bus brauchten wir etwa eine halbe Stunde. Wir holten uns noch jeder eine Packung Sushi to go, die wir im Bus verspeisten und machten uns auf den Weg. In Keelung machten wir uns auf die Suche nach dem Bus nach Jiufen, aber wie immer konnten wir auf die Freundlichkeit der Taiwanesen hoffen, von denen zwei Frauen auch auf dem Weg nach Jiufen waren und uns dort angekommen auch sagten, wo wir aussteigen mussten.

Jiufen ist ein sehr altes Bergdorf mit wunderbarem Blick auf das Ostchinesische Meer im Norden bzw. den Pazifik im Osten. Es ist stark vom Tourismus abhängig, insbesondere Japaner und Chinesen kommen hierher, um sich durch die alten, engen Gassen mit den vielen Treppen treiben zu lassen. Die Japaner sind unter anderem deshalb so begeistert von Jiufen, weil es als Inspiration für den Film „Chihiros Reise ins Zauberland“, ein preisgekrönter japanischer Animefilm, diente.

In den Gassen fanden wir die leckersten und auch merkwürdigsten Sachen zum Essen, unter anderem Eis zwischen zwei kleinen Pfannkuchen und Guavensaft, aber natürlich auch das berüchtigte Stinky Tofu. Auch sonst findet man von kunsthandwerklichen wunderschönen Andenken bis hin zu klassisch asiatischem Kitsch jede Menge Dinge, für die man zum Teil beachtlich Geld ausgeben kann. Wir beschränkten uns jedoch hauptsächlich aufs Gucken und Staunen und ließen uns mit den Menschenmassen mitreißen.

Aussicht in Jiufen

Aussicht aufs Meer in Jiufen

Als uns das zu viel wurde, suchten wir einen der vielen Aussichtspunkte, der ein bisschen weniger belebt war und machten lauter schöne Fotos vom Meer und den Bergen ringsum. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg und hatten diesmal mehr Glück mit dem Bus. Auf dem Hinweg war es ein sehr alter Stadtbus, der bei jeder Kurve quietschte und hauptsächlich Stehplätze hatte. Die wenigen Sitzplätze waren lange besetzt und so unbequem wie unsere Busse in Tübingen oder Stuttgart. Wenn man allerdings eine knappe Stunde den Berg hochfährt und die Straße auch nicht immer die beste ist, ist es doch wesentlich angenehmer, wie es auf dem Rückweg der Fall war, in einem gepolsterten, gefederten und vor allem klimatisierten Reisebus zu sitzen.

Den Abend verbrachten wir hauptsächlich in den Underground-Malls unterhalb des Hauptbahnhofes und rings um den Hauptbahnhof in den kleineren Straßen, wo viel verschiedenes Essen angeboten wird. Schlussendlich saßen wir in einem japanischen Restaurant, in dem wir Ramen aßen, japanische Nudelsuppe mit allerlei Gemüse und Fleisch. Sehr lecker! Gut gefüllt machten wir einen Spaziergang zu unserem Hostel und waren verhältnismäßig früh im Bett. So eine große Stadt voller Menschenmassen ist dann doch recht anstrengend auf Dauer.

Weisheit kann man scheinbar auch durch Kaffeegenuss erlangen

Konfuzius-Tempel

Konfuzius-Tempel

Der letzte Tag in der „Capital City“ sollte nicht mehr besonders aufwändig gestaltet sein, da wir bereits um 14 Uhr mit einer Mitstudentin aus Tübingen ausgemacht hatten uns am Taoyuan Flughafen zu treffen. Wir packten also unsere Sachen und checkten aus dem Hostel aus. Wir entschieden uns zwei Tempel im Norden der Stadt zu besuchen: Den Konfuzius-Tempel und den daoistischen Bao-an Tempel. Unsere Taschen ließen wir am Bahnhof in einem Schließfach zurück, diese sind hier unheimlich günstig, und nahmen die U-Bahn Richtung Norden.

Konfuzius Tempel

Im Konfuzius-Tempel

Die beiden Tempel liegen direkt nebeneinander. Zuerst sahen wir uns den Konfuzius-Tempel an. Da wir bisher nur die Tempel in und um Puli kannten, waren wir über die vielen Touristen erstaunt. Zu bestaunen gab es die typischen Tempelanlagen mit schönen Verzierungen und typisch asiatischen Dächern. In den Räumen selbst gab es mehrere multimediale Anlagen. Per Knopfdruck wurde man in die Zeit 500 Jahre v. Chr. versetzt und durfte den Gesprächen zwischen Konfuzius und seinen Schülern lauschen. Dabei bekommt man solche Weisheiten wie diese zu hören:

„Nehmen wir an, jemand kann alle dreihundert Stücke des ‚Buchs der Lieder‘ auswendig hersagen. Wird ihm aber eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, dann versagt er. … Ein solcher Mensch hat zwar viel gelernt, aber welchen Nutzen hat es?“

Konfuzius-Café

Konfuzius-Café

Auch für Erziehungswissenschaftler hat Konfuzius also was parat. Und wenn man doch was auswendig lernen muss, so gibt es hier das Konfuzius-Café. Der Tee und der Kaffee halten dann einen wach.

Der Bao-an-Tempel war etwas klassischer gestaltet. Keine moderne Technik und auch kein Kaffee, dafür aber sehr schick verzierte Säulen und Dächer.

High Speed Rail

High-Speed-Rail

Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg wieder zurück zu Bahnhof. Nach einer kurzen Suche nach unserem Schließfach begaben wir uns zum Busbahnhof. Dies gestaltete sich etwas komplizierter als erwartet, da die Ausschilderungen in Taipeis Untergrund doch etwas zu wünschen übrig lassen und man sehr schnell die Orientierung verliert. Nach etwa 20 Minuten haben wir es dann aber doch geschafft. Am Ticketverkauf wurde es nochmal etwas stressig. Nach einem kurzen hin und her mit unseren „Prepaid-Bus-und-Bahntickets“ (EasyCards – unheimlich praktisch die Dinger!), welche wir bereits am ersten Tag gekauft hatten um bargeldlos die öffentlichen Verkehrsangebote nutzen zu können, zahlten wir dann doch bar und wurden hastig in den schon wartenden Bus gesteckt.

Dafür dass wir kein Wort chinesisch sprechen und unsere Reiseplanung definitiv noch zu wünschen lässt, war unser erster Hauptstadtbesuch dennoch als voller Erfolg zu verzeichnen. Mit leichter Verspätung kamen wir am Terminal 2 des Flughafens an. Passender Weise landete aber auch das Flugzeug später als geplant. So haben wir uns nicht verpasst und konnten gemeinsam per Bus und High-Speed-Rail wieder Richtung Puli aufbrechen.

Tschüss Taipei. Keine Sorge, wir kommen definitiv bald wieder!

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